"Wir brauchen ein E-Learning.“ Oder: „Dafür machen wir ein Seminar.“ Solche Sätze fallen bei der Planung von Weiterbildung schnell. Das Problem: Damit steht die Lösung schon fest, bevor überhaupt klar ist, was deine Mitarbeiter am Ende wissen oder können sollen.
Dreh die Reihenfolge deshalb um: Definiere zuerst das Lernziel, leite daraus die notwendigen Inhalte ab und entscheide erst danach, welches Lernformat dafür geeignet ist. So vermeidest du, dass E-Learning, Workshop oder Präsenzschulung zum Selbstzweck werden.
Beginne mit dem Lernziel, nicht mit dem Format
Stell dir vor, du planst eine Weiterbildung für Führungskräfte.
Nicht so:
"Wir brauchen ein zweitägiges Seminar für unsere Führungskräfte.“
Damit sind Dauer und Format bereits festgelegt, obwohl das eigentliche Lernziel noch offen ist.
Besser so:
"Unsere Führungskräfte sollen Fähigkeiten und Potenziale ihrer Mitarbeiter besser erkennen und gezielter fördern können.“
Jetzt kannst du überlegen, welche Kenntnisse, Übungen und Erfahrungen dafür nötig sind. Erst danach entscheidest du, wie du diese am sinnvollsten vermittelst.

Das Lernformat darf kein Selbstzweck sein
"Wir möchten einen Online-Kurs für Thema XY“ klingt zunächst nach einer konkreten Planung. Tatsächlich fehlt aber eine entscheidende Frage: Warum ist ein Online-Kurs für dieses Lernziel die passende Lösung?
Dasselbe gilt für Präsenzseminare, Webinare, Videos oder andere Formate. Auch ein modernes Lernformat ist nicht automatisch ein gutes Lernformat.
Bevor du dich festlegst, solltest du deshalb drei Fragen beantworten:
Was sollen deine Mitarbeiter nach der Weiterbildung wissen oder können?
Welche Inhalte und Lernaktivitäten brauchen sie dafür?
Welches Format unterstützt genau diese Inhalte und Aktivitäten am besten?
Die Beraterin Cathy Moore empfiehlt ebenfalls, bei der Konzeption nicht vorschnell in Kursen und anderen fertigen Lösungen zu denken. Genau diese Offenheit hilft dir dabei, das Lernproblem zunächst sauber zu verstehen.
Die richtige Reihenfolge: Ziel, Inhalt, Format
1. Ziel definieren
Frage zuerst: Was soll sich nach der Weiterbildung verändert haben?
Ein gutes Lernziel beschreibt nicht nur ein Thema, sondern möglichst konkret, was deine Mitarbeiter anschließend wissen, entscheiden oder tun können sollen.
2. Inhalte und Lernaktivitäten festlegen
Überlege anschließend, welches Wissen deine Mitarbeiter brauchen und was sie üben müssen, um dieses Ziel zu erreichen.
Manchmal reicht es, Informationen bereitzustellen. Bei anderen Lernzielen brauchen deine Mitarbeiter Übungen, Feedback, Erfahrungsaustausch oder praktische Anwendung.
3. Passendes Lernformat auswählen
Erst jetzt entscheidest du, wie du die Inhalte vermittelst. Ein Online-Kurs kann sinnvoll sein, ein Workshop, ein Coaching oder eine Kombination mehrerer Formate.

Hinterfrage vorgegebene Lösungen
Vielleicht bekommst du als L&D-Verantwortlicher nicht immer nur ein Lernproblem auf den Tisch, sondern direkt die vermeintliche Lösung:
👉 "Wir brauchen ein E-Learning.“
👉 "Dafür sollten wir einen Workshop machen.“
👉 "Können wir dazu nicht einfach ein Video erstellen?“
Dann lohnt es sich, noch einmal nach dem eigentlichen Bedarf zu fragen: Was soll sich bei den Mitarbeitern verändern? Welches Problem soll die Weiterbildung lösen? Und lässt sich dieses Ziel mit dem gewünschten Format tatsächlich erreichen?
Du musst eine vorgeschlagene Lösung nicht einfach übernehmen. Deine Aufgabe besteht auch darin, Lernbedarf, Ziel und Format sinnvoll miteinander zu verbinden.
Oft ist eine Kombination mehrerer Lernformate die beste Lösung
Du musst dich nicht zwangsläufig zwischen E-Learning oder Präsenz entscheiden. Viele Lernziele bestehen aus unterschiedlichen Anforderungen, für die verschiedene Formate geeignet sind.
Grundlagenwissen kannst du beispielsweise digital vermitteln: Für Übungen, Diskussionen oder Feedback kann ein gemeinsamer Termin sinnvoll sein. Praxisaufgaben wiederum bringen das Gelernte direkt in den Arbeitsalltag.
Genau hier bietet sich Blended Learning an: Du kombinierst unterschiedliche Lernformate so, dass jedes davon eine konkrete Aufgabe im Lernprozess übernimmt.
Eine Weiterbildung könnte beispielsweise aus einer digitalen Vorbereitung, einem gemeinsamen Workshop und anschließenden Praxisaufgaben bestehen. Entscheidend ist nicht der Mix an sich, sondern dass jedes Format einen erkennbaren Beitrag zum Lernziel leistet.
Fazit
Ein Lernformat ist dann sinnvoll, wenn es zum Lernziel und zu den dafür notwendigen Lernaktivitäten passt, nicht wenn es lediglich einem aktuellen Trend oder einer Gewohnheit folgt.
Beginne deine Weiterbildungsplanung nicht mit der Frage, ob du ein E-Learning, Seminar oder anderes Format einsetzen möchtest. Frage zuerst, was deine Mitarbeiter nach der Weiterbildung tatsächlich wissen oder können sollen.
Aus diesem Ziel leitest du die notwendigen Inhalte und Lernaktivitäten ab. Erst danach entscheidest du, welches Format dafür am besten geeignet ist.
Manchmal ist das ein Online-Kurs, manchmal ein Workshop und häufig eine Kombination mehrerer Formate. Wenn du diese Reihenfolge einhältst, wählst du Lernformate nicht nach Gewohnheit oder Trend, sondern danach, was deinen Mitarbeitern wirklich beim Erreichen des Lernziels hilft.

Häufige Fragen und Antworten
Wie wähle ich das richtige Lernformat für eine Weiterbildung?
Definiere zuerst, was deine Mitarbeiter nach der Weiterbildung wissen oder können sollen. Leite daraus die notwendigen Inhalte und Lernaktivitäten ab und entscheide erst anschließend, welches Lernformat diese am besten unterstützt.
Wann eignet sich E-Learning als Lernformat?
E-Learning eignet sich besonders, wenn deine Mitarbeiter zeitlich oder örtlich flexibel lernen sollen und sich Inhalte gut digital vermitteln oder üben lassen. Ob es die richtige Wahl ist, hängt jedoch immer vom konkreten Lernziel ab.
Wann ist ein Seminar oder Workshop sinnvoller als E-Learning?
Ein gemeinsamer Termin kann sinnvoller sein, wenn Austausch, Diskussion, direktes Feedback oder gemeinsame praktische Übungen einen wichtigen Teil des Lernprozesses bilden.
Warum ist Blended Learning für viele Weiterbildungen sinnvoll?
Blended Learning ermöglicht dir, verschiedene Lernformate passend zu unterschiedlichen Lernzielen und Aktivitäten zu kombinieren. So kannst du beispielsweise Wissen digital vermitteln und Workshops gezielt für Austausch, Übungen oder Feedback nutzen.







